Refeeding Symptom
Bei Igeln, die gefunden werden, ist oft nicht bekannt, wann sie das letzte Mal gefressen haben. Vor allem aber bei Igeln nach dem Winterschlaf, bei mageren Tieren (z.B. durch Nahrungsmangel in einem suboptimalen Lebensraum) oder Igeln mit Verletzungen, welche die Fortbewegung und dadurch die Nahrungssuche einschränken, muss davon ausgegangen werden, dass sie schon länger nichts mehr gefressen haben und ein Refeeding-Syndrom entwickeln könnten. Deshalb ist es wichtig, gefundene Igel nur mit kleinen Portionen (20-30g proteinreiches Nassfutter) anzufüttern und sich mit einer erfahrenen Igelstation in Kontakt zu setzen, um den weiteren Verlauf zu besprechen. Während längerer Hungerphasen passt sich der Stoffwechsel an die reduzierte Energieversorgung an. Dies hat zur Folge, dass Fettreserven und Muskelgewebe abgebaut werden und sich wichtige Elektrolyte und Mikronährstoffe aufbrauchen. Dank Kompensationsmechanismen schafft es der Körper aber, trotzdem die Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten. Bei plötzlicher Aufnahme von energiereicher (v.a. kohlenhydratreicher) Nahrung nach längeren Hungerphasen, fallen diese Kompensationsmechanismen schlagartig weg, obwohl Energie-, Mikronährstoff- und Elektrolytmängel noch nicht behoben sind. Zusätzlich fördert der starke Insulinanstieg Glucose- und Elektrolytverschiebungen (vor allem Kalium, Phosphat und Magnesium). Da der Körper nicht bereit ist für diesen erhöhten Stoffwechsel, kommt es zur Stoffwechselentgleisung. Durch den Elektrolytmangel sind vor allem Nerven, Herz- und Skelettmuskulatur betroffen. Dadurch können die Symptome des Refeeding-Syndroms sehr variabel sein und sich zum Beispiel als Apathie, Schwäche, Atmungsstörungen, Herzinsuffizienz, Störungen in der Bewegungskoordination oder Krämpfe äussern und können bis zum Tod führen.
Text: Igelzentrum, 2025
